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Christoph Flückiger (1946-2018)
«Flagge zeigen» Digitaldruck auf Blache / 2019 Ausführung: Kitty Schaertlin und DICAD/print und lettershop Ein herzlicher Dank geht an Hanspeter Fluri für seine Hilfe bei der Montage. Gedanken zu meinem Projekt vor unserem Treffen (Kitty Schaertlin, Peter Thommen und Christoph Flückiger) am Dienstag, 29. Mai 2018 Ich habe am 19. April 2018 folgende Begründung meines Projekts Together (neuer Titel: Flagge zeigen wäre auch möglich) formuliert. Der Titel der geplanten Ausstellung «Visionen 19» legt es nahe, sich mit Zukunftsvorstellungen zu beschäftigen. Wie könnten, wie sollten die nächsten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts aussehen? Wohin geht die Reise der Region, des Landes, der Welt? Nach der Besichtigung des Geländes, das dominant von den drei grossen Wohnhochhäusern begrenzt wird, in denen das multinationale und multikulturelle Zusammenleben gepflegt wird, drängte sich mir der Gedanke auf, genau dies zum Thema meiner Installation zu machen. Die Welt wird kleiner, die elektronischen Medien überwinden in Sekundenschnelle alle Distanzen. Die Menschen werden mobiler, die Völker und Nationen mischen sich. Auch bei uns. Wir müssen lernen, friedlich und nachbarschaftlich zusammenzuleben. Die verschiedenen Bedürfnisse und die Interessen müssen ausgesprochen, ihr Ausgleich ausgehandelt werden. Alle sollen ihre kulturelle Identität leben können, alle sollen aber auch die hiesige Lebensart kennen und respektieren. Diese Notwendigkeit stellt sich, wenn irgendwie das friedliche Zusammenleben gelingen soll. Diese Überlegungen führten mich zum folgendem Konzept. Ich möchte beim Haus Weiermattstrasse 6 an den Betonbrüstungen der Aussengänge, die Zugang zu den Wohnungen geben, Nationenflaggen aufhängen. Dabei möchte ich vor allem die Nationen der Bewohner berücksichtigen. Sie sollen die vielfältige Herkunft der BewohnerInnen symbolisieren. Denkbar sind auch Kantonswappen, Schweizer Fahnen und die Flagge der EU und der UNO. Diese Flaggen betreffen Kollektivitäten. Jede Staatsbürgerin und jeder Staatsbürger ist Mitglied einer solchen Kollektivität. Aber jede und jeder ist auch ein Individuum, eine selbständige Person. Diesem Aspekt der BewohnerInnen möchte ich mit den Inschriften Ich/Du/Wir in den verschiedenen Sprachen Rechnung tragen. Eine vereinigende Klammer könnten die Worte Alle zusammen/ All together (in verschiedenen Sprachen) bilden. Natürlich müssen Art und Anzahl der «Plakate» auch den räumlichen Gegebenheiten und dem ästhetischen Gesamteindruck angepasst werden. Seither habe ich folgende Überlegungen gemacht. Ich spreche dabei nun immer bewusst von «wir». Ohne den Einsatz von Kitty und Peter ist das Projekt gestorben. Deshalb prinzipiell: Wenn das Projekt realisiert wird, dann unter der Autorschaft von Konzeptidee: Christoph Flückiger Ausführung: Kitty Schaertlin und Peter Thommen. So müsste das Werk auch angeschrieben und im Katalog aufgeführt werden. 1. Offenbar hat der Genossenschaftsrat dem Projekt zugestimmt. Also haben wir im Prinzip grünes Licht. 2. Wir müssten nun wissen, welche Nationalitäten im Haus Weiermattstrasse 6 wirklich wohnen, damit man dies bei der Auswahl der Flaggen berücksichtigen kann. 3. Auch Wappen internationaler Organisationen wie UNO, Rotes Kreuz, Roter Halbmond, EU sind erwünscht. Geht es bei ihnen doch wesentlich um das friedliche Zusammenleben der «Völker». Aber natürlich darf eine Schweizer Fahne auch nicht fehlen. 4. Neben diesen Flaggen möchte ich Wörter für «(alle) zusammen», «(all) together», «tous ensemble» etc. in den von den Bewohnern mehrheitlich) gesprochenen Sprachen anbringen. 5 Nationalitäten bezeichnen Kollektivitäten. Um den individuellen Aspekt der Bewohner zur Darstellung zu bringen, möchte ich in verschiedenen Sprachen die Wörter für ICH, DU und WIR / MOI, TOI, NOUS etc., die die Reihe der Flaggen unterbrechen. Bei alldem sollen aber die Nationalflaggen überwiegen. Sie sind das eigentliche farbige Zentrum und müssen auf die Ferne gut wirken. Die Kunst wird darin bestehen, ein ausgewogenes, überzeugendes ganzes Bild zu erzeugen. Nun zur effektiven Realisierung. Man muss die Masse der Balkongeländer ausmessen. Sie sind unterschiedlich. Man muss die Möglichkeiten der Befestigung der Flaggen abklären. Braucht es Ösen, Seile, Klammern etc.? Man muss das geeignete Material für den Druck der Flaggen herausfinden. Abklärung mit dem von euch ins Auge gefassten Drucker sind nötig. Und das alles kann ich nicht mehr machen. Ich bin physisch dazu nicht in der Lage. Oh, wie bedaure ich das! Es ist doch ein wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit und künstlerischen Befriedigung, das Handwerkliche, das selber Hand anlegen! Ich muss es in eure Hände legen. Ein Glück für mich, dass ich das kann. Ein Glück, dass ich solche Freunde habe. Mein ganzer, tiefempfundener Dank gehört euch. Christoph Flückiger, 29. Mai 2018
Künstler Christoph Flückiger Künstlerin Kitty Schaertlin